2. Der theoretische Rahmen der Supervision

2.1.8. Die Supervisionsform Gruppenberatung

Das Mehrpersonen-Setting

Wie die nebenstehende Skizze schon optisch andeutet, wirken in der Beratungsarbeit mit Gruppen (z.B. Gruppen- oder Teamsupervision) eine hohe Zahl von Beziehungen, Interaktionen, Prozessen und Faktoren. Das gilt sowohl für das „Binnengeschehen“ der Gruppe als auch für die jeweiligen individuellen oder gemeinsamen Aussenbeziehungen und Kontextfaktoren.

Damit steigt einerseits die Komplexität, andererseits erhöhen sich die Ressourcen, die durch die einzelnen Gruppenmitglieder eingebracht werden.

Der Begriff Gruppe

Umgangssprachlich wird von Gruppe gesprochen, wenn eine Anzahl bestimmter Individuen sich am gleichen Ort trifft, ein gemeinsames Thema hat, das gleiche Ziel verfolgt, von gleicher Herkunft ist oder sich sonst durch irgendeine Gemeinsam- oder Ähnlichkeit auszeichnet.

Im Kontext der Supervision bedarf der Gruppenbegriff der Präzisierung.

Astrid Schreyögg (1991)° beschreibt auf der Grundlage von Hofstätter (1972), Fengler (1986) u.a. die folgenden...

Fünf Merkmale von Gruppen

·        Ihre relative Kleinheit

Im allgemeinen drei bis 25 Personen; bei zwei Personen spricht man von einer Dyade

·        Die Möglichkeit, in face to face-Kontakte zu treten

Kontakte von Angesicht zu Angesicht, fortlaufende Interaktionen zwischen den Gruppenmitgliedern sind möglich. In kleinen Gruppen ist das leichter als in Gruppen über 10 Personen.

·        Die Entwicklung gemeinsamer Ziele und Werte

Laufende Interaktionen und gemeinsame Prozesse führen zur Bildung gemeinsamer Ziele, Normen und Standards.

·        Die relative Dauer

Voraussetzung solcher Entwicklung ist, dass die Gruppe genügend Zeit und Gelegenheit dazu hat. Jede Gruppe ist deshalb auch durch die Dauer ihres Zusammenseins charakterisiert.

·        Die Entfaltung von Binnenphänomenen

Im Verlauf ihres Prozesses bilden Gruppen auch innergruppale Phänomene heraus. Eine ganze Reihe verschiedener Modelle versucht diese Phänomene zu erfassen (z.B. die Herausbildung von Mustern, die an Familiensysteme erinnern).

Die Kontextfaktoren in gruppalen Systemen

Einflüsse für die Beratungsarbeit ergeben sich im besonderen auch durch die Verknüpfungen mit dem Kontext. Im Unterschied zum Zweipersonen-Setting kann es sein, dass Gruppenmitglieder mit verschiedenen institutionellen Hintergründen unterschiedliche Kontext-Themen in die Beratung einbringen (z.B. Fallsupervision mit Fachleuten des gleichen Berufsfeld, die aber aus verschiedenen Institutionen kommen).