2. Der theoretische Rahmen der Supervision

Elementare Variablen der Beratungsbeziehung

Phasen

Wann, was und wie? Diese Fragewörter zielen auf die verschiedenen Phasen in der supervisorischen Beratung. Phasen können in Bezug auf die einzelne Beratungssitzung untersucht werden, aber auch generell in Bezug auf die sich verändernde Beziehungsqualität zwischen Supervisor und Supervisand.

Besonders interessiert hat mich die Initialphase: Worauf ist in der Anfangssituation zu achten, gerade auch dann, wenn es für Supervisor, ggf. auch für den Supervisand eine Anfängersituation ist (Beginn der Supervisionspraxis, rsp. -erfahrung).

 

Phasen der supervisorischen Beziehung

Die Beziehungsqualität zwischen Supervisorin und Supervisand verändert sich im Laufe der Zeit und mit der Anzahl erfolgter Supervisionssitzungen. Elisabeth Holloway (1995)° beschreibt auf der Grundlage von Mueller und Kell (1972) drei Phasen. Die folgenden Abschnitte sind eine bearbeitete Zusammenstellung aus oben genannten Quellen und IAS-Seminarunterlagen (1999) von Elisabeth Holloway.

A) Prägende Themen in der Anfangsphase

·        Klärung der Beziehung mit dem Supervisor

·        Vereinbarung des Supervisionsvertrages

·        Strukturgebung und –findung

·        Unterstützende Lehrinterventionen

·        Autorität und Führung

·        Entwicklung von Kompetenz

·        Neue Beziehung - neue Erfahrungen - neue Fähigkeiten

B) Prägende Themen in der Reifephase

·        Zunehmende Individualisierung der Beziehung, Abnahme der Rollenbindung

·        Zunehmende Sozialbindung und stärkeres Einflusspotential

·        Entwicklung der Fähigkeiten zur fallbezogenen Konzeptbildung

·        Zunehmendes Selbstvertrauen und steigende Selbsteffizienz in der Beratung

·        Konfrontation mit persönlichen Themen, insofern sie für die professionelle Leistung von Bedeutung sind

·        Mehr Geben und Nehmen

·        Wunsch nach Herausforderung und Intensität, wobei die Intensität in dieser Phase auch zur Blockierung und zum Zusammenbruch führen kann: High performance – high risk

C) Prägende Themen in der Schlussphase

·        Verständnis des Zusammenhangs von Theorie und Praxis in bezug auf einzelne Klienten

·        Abnehmendes Bedürfnis nach Leitung durch die Supervisorin

·        Bedürfnis nach einem guten Ende

 

Phasen einer Beratungssitzung

1) Kontaktphase / Initialphase

Die Kontaktphase hat zum Ziel, eine gemeinsame Verständigungsbasis zu finden und eine tragfähige Arbeitsbeziehung zu schaffen. Die Art der Kontaktnahme ist prägend für den Beratungsprozess und dessen Gelingen, weshalb die Kontaktphase auch als Initialphase bezeichnet wird.

2) Informations- und Klärungsphase

In dieser Phase geht es darum Informationen (auch Vorinformationen), Grundlagen und „Fakten“ zur vom Supervisanden geschilderten Situation zu erfassen. Das Material wird gesichtet und im Hinblick auf die geschilderte Situation geklärt, strukturiert und dient als Grundlage für erste Diagnosen.

3) Vertragsphase

Die Vertragsphase dient der Fokussierung. Supervisor und Supervisand bestimmen in einem gemeinsamen (u.U. suchenden) Prozess das relevante Thema und identifizieren ein damit verbundenes Lernziel.

4) Interventionsphase / Aktionsphase

Der Supervisor plant und wählt ein angemessenes Vorgehen und setzt geeignete Methoden und Interventionen ein, mit dem Ziel die Betrachtungsweise und den Handlungsspielraum des Supervisanden zu erweitern und ihm so verschiedene Perspektiven und Alternativen zu eröffnen. Danach ist es ist Sache des Supervisanden sich für einen bestimmten Weg zu entscheiden.

5) Abschlussphase: Integration und Auswertung

Je nach Bedarf und Situation wird es in der Abschlussphase um Festigung und Integration gehen (im Sinne einer Hilfestellung) oder um Auswertung. Grundsätzlich ist die „Ergebnissicherung“ Sache der Supervisandin.

Zur Reihenfolge der Phasen

Oft werden Phasen mehr als einmal durchlaufen. So kann in der Interventionsphase (4) plötzlich ein zusätzlicher Informationsbedarf entstehen (2) und das wiederum kann eine Überarbeitung des Vertrags nötig machen (3).